Warum schämen wir uns, wenn wir nackt sind?

Normalerweise hat jeder Mensch ein Schamempfinden und empfindet es als unangenehm, in der Öffentlichkeit nackt zu sein. Je nach Kultur und abhängig von unserer Herkunft hat dieses Schamempfinden unterschiedliche Grenzen. Diese Grenzen können durch Gewöhnung auch bewusst verschoben werden. Manche Menschen haben auf diese Weise ihre Scham leider sogar fast komplett abgelegt. Das führt dann oft zu Konflikten. Aber warum schämen wir uns eigentlich normalerweise, wenn wir nackt sind?

Wir wurden nackt geschaffen

Und er sprach: Nackt bin ich aus dem Leib meiner Mutter gekommen; nackt werde ich wieder dahingehen. Der JHWH hat gegeben, der JHWH hat genommen; der Name des JHWHs sei gelobt !

Hiob 1:21

Ursprünglich hat Gott uns nackt geschaffen. Das können wir allein daran erkennen, dass jeder Mensch nackt geboren wird. Wir haben kein Fell, Gefieder oder dergleichen. Das ist also der Urzustand von uns Menschen.

Doch dann geschah etwas, was alles Ursprüngliche radikal veränderte. Wir Menschen entschieden uns, eigene Wege zu gehen und nicht unserem Schöpfer zu folgen. Die Sünde kam in die Welt und gleichzeitig auch die Erkenntnis von Gutem und Bösem. Seit diesem Tag verstehen und empfinden wir Menschen, dass wir nackt sind.

Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren; und sie banden sich Feigenblätter um und machten sich Schurze.

1 Mose 3:7

Sofort nach dem Sündenfall haben die ersten Menschen versucht, sich zu bekleiden. Das war die intuitive Reaktion. Daran können wir sehen, dass die Scham vor der Nacktheit mit unserer eigenen Sünde zu tun hat. Nachdem Adam und Eva sich aber Kleidung gemacht hatten, war doch alles gut, oder?


Und sie hörten die Stimme Gottes des HERRN, der im Garten wandelte, als der Tag kühl war; und der Mensch und seine Frau versteckten sich vor dem Angesicht Gottes des HERRN hinter den Bäumen des Gartens.
Da rief Gott der HERR den Menschen und sprach: Wo bist du?
Und er antwortete: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich, denn ich bin nackt; darum habe ich mich verborgen!

1 Mose 3:8-10

Wie kann es sein, dass Adam sich trotz der selbst gemachten Kleidung weiter als nackt empfindet und vor Gott schämt? Die selbstgemachte Kleidung war nicht ausreichend. Man kann daran erkennen, dass es nicht egal ist, welche Kleidung ein Mensch trägt. Gott selbst machte Adam und Eva schließlich Kleidung aus Tierfell. Deswegen ist es auch heute nötig, dass wir Gott fragen, wann unsere Nacktheit gut bedeckt ist, und dass wir unser Schamempfinden nicht durch kulturelle und gesellschaftliche Maßstäbe bestimmen lassen. Nicht die Menschen um mich herum können der Maßstab sein, denn das ist so, als ob ein Bergsteiger sich immer am nächsten Bergsteiger sichert, ohne dass ein einziger im Felsen gesichert ist. Am Ende stürzen alle zusammen ab.

Aber warum kam die Scham durch die Sünde?

Ich denke, dass es dafür keine kurze Erklärung gibt. Vielleicht kann man es am besten mit einem Bild verstehen: Wenn ich in einen Misthaufen falle und von oben bis unten voller Kot und Stroh bin, dann ist mir das einfach unangenehm und ich möchte so schnell wie möglich unter eine Dusche und am besten ohne dass mich jemand so sieht beziehungsweise riecht. Und wenn der Gestank auch nach dreimal Duschen noch nicht ganz verflogen ist, versuche ich mich von andern fern zu halten, bis ich endlich nicht mehr stinke.

Wenn wir schon wegen ein wenig Mist so reagieren, wieviel mehr reagieren wir, wenn unsere ganze Seele und unser ganzes Wesen völlig beschmutzt ist von der Bosheit unseres Herzens! Wir möchten nicht, dass andere sehen, was für Gedanken und Gefühle wir haben, oder wissen, was wir machen, wenn wir alleine sind. Das wäre sehr unangenehm. Und daher empfinden wir es auch als unangenehm, vor anderen nackt zu sein. Das alles kann man unter dem Begriff „Schamempfinden“ zusammenfassen.


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